Kürzlich fand in der Pallottikirche in Vallendar die Vortragsveranstaltung „Fast Fashion – Nachhaltiger konsumieren ist möglich!“ statt. Die Teilnehmenden informierten sich über die Auswirkungen der globalen Modeindustrie und Möglichkeiten eines bewussteren Konsums.
Lea Kessler (Fachpromotorin für „Öko-soziale Beschaffung“ vom BUND Regionalbüro Koblenz) führte, in das Thema ein. Sie machte unter anderem auf den diesjährigen Erdüberlastungstag aufmerksam, der bereits am 10. Mai erreicht wurde. Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, wären drei Erden notwendig, um den Ressourcenverbrauch zu decken. Außerdem verdeutlichte sie die Problematik von Textilmüll: Weniger als ein Prozent der Kleidung wird derzeit zu neuer Kleidung recycelt. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass überwiegend Mischgewebe genutzt werden, die bislang nicht recyclebar sind. Allein die Caritas Koblenz erhält aktuell rund acht Tonnen Textilmüll pro Woche, also rund 400 Tonnen, die jährlich entsorgt werden müssen.
Im anschließenden Vortrag erläuterte Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz anschaulich, was hinter dem Geschäftsmodell „Fast Fashion“ steckt. Sie zeigte auf, wie stark unser Konsumverhalten von günstiger und schnell wechselnder Mode geprägt ist. In Deutschland besitzen Menschen durchschnittlich etwa 95 Kleidungsstücke, wobei jedes fünfte Teil nie getragen wird. Gleichzeitig bleiben rund 40 Prozent der produzierten Kleidungsstücke unverkauft.
Darüber hinaus ging die Referentin auf globale Lieferketten, problematische Arbeitsbedingungen und die erheblichen Umweltbelastungen der Textilindustrie ein. Das beginnt schon mit Anbau und Ernte der Baumwolle, deren Weiterverarbeitung zu Garn und Stoffen, bei deren Färbung giftige Chemikalien eingesetzt und meist unkontrolliert entsorgt werden. In diesen Bereichen der Produktion werden häufig niedrigste Löhne gezahlt und Arbeitsschutz ist ein Fremdwort. Beim Nähen der Kleidungsstücke hat sich zwischenzeitlich einiges verbessert. Aber auch dort sorgt der Kostendruck dafür, dass es Verlagerungen in andere Länder gibt, die weniger gute Arbeitsbedingungen bieten. Hinzu kommen enorme Transportwege vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Der CO₂-Ausstoß der Branche sei inzwischen doppelt so hoch wie jener der Flug- und Kreuzfahrtindustrie zusammen. Zudem wurde thematisiert, dass „Nachhaltigkeit“ und viele andere Begriffe in der Werbung genutzt werden aber keine geschützten Begriffe sind, die Engagement vortäuschen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten kritisch mit solchem Greenwashing umgehen.
Abschließend wurden Möglichkeiten aufgezeigt, den eigenen Kleiderschrank nachhaltiger zu gestalten – etwa durch bewussteren Konsum, den Kauf qualitativ hochwertiger Ware oder von Second-Hand-Mode statt günstiger Neukäufe. Hilfen beim Einkauf können auch verlässliche Siegel sein. Einen Überblick bietet www.siegelklarheit.de
In der anschließenden Diskussion wurde besonders die Frage nach der Entsorgung von Kleidung und den Herausforderungen für den kommunalen Bereich aufgegriffen. Die Veranstaltung bot zahlreiche Denkanstöße und machte deutlich, dass nachhaltiger Konsum bereits im Alltag beginnen kann.
Organisiert wurde die Veranstaltung durch den Fairtrade Landkreis Mayen-Koblenz, die Fair Trade Stadt Koblenz, die Fachpromotorin für „Öko-soziale Beschaffung“ vom BUND Regionalbüro Koblenz sowie das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel e.V.