Schriftsteller Thomas A. Herrig zu Gast im Theater Mittelrhein

Kürzlich wurde es im Theater Mittelrhein wieder literarisch – und zugleich erstaunlich alltagsnah. Auf Einladung des Verbands Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di, kuratiert als Teil der Reihe „Literaturcafé“, stellte Thomas A. Herrig zwei sehr unterschiedliche Seiten seines Schreibens vor: humorvolle Healing Fiction mit Japan-Flair – und erste Auszüge aus seinem kommenden Romandebüt.

Herrig verstand es, sein Publikum schnell ‚reinzuholen‘: nicht mit großen Ansagen, sondern mit Geschichten, die wirkten, als würden sie direkt aus dem echten Leben kommen – nur mit einem kleinen Dreh ins Magische, Skurrile oder überraschend Wahre. Im ersten Teil drehte sich vieles um „Das Winken der vergnügten Katze“, ein reich illustriertes Buch mit 28 „heilsamen Geschichten“, das bereits im Dezember 2025 veröffentlicht wurde.

Dabei ging es einmal um einen magischen Garten, „der zur Ruhe einlädt, Sie und mich natürlich auch“, wie Herrig schmunzelte – dann um einen besonderen Sessel, der plötzlich mehr war als nur ein Möbelstück, zum Gleichnis wurde, für den Umgang mit anderen Meinungen und (zu) gut gemeinten Ratschlägen. Und schließlich trat eine freche Zimmerpflanze auf den Plan – eine Schusterpalme mit großer Klappe, die das Publikum zum Lachen brachte und nebenbei ganz elegant daran erinnerte, wie viel Wahrheit in kleinen, schrägen Alltagsmomenten stecken kann.

Danach wurde der Ton noch etwas persönlicher – und größer im literarischen Format. Herrig wechselte von Japan nach Gotha und erzählte, wie ihn seine Zeit als Stadtschreiber dort maßgeblich dazu motiviert habe, endlich den ‚großen‘ Roman anzugehen. „Ich habe lange gezögert, das Buch zu schreiben – aber gerade meine Zeit in Gotha hat mir Mut dafür gemacht“, sagte er.

Der Roman trägt den Titel „Die Umschreibung eines Lebens“ und wird im Frühjahr im Münster Verlag Zürich erscheinen. Herrig las erste Auszüge, unter anderem aus seiner Zeit in Wien, und sprach über eine Begegnung in einem Konzerthaus, die fast lebensverändernd geworden sei. Inhaltlich geht es in seinem Debüt um einen kreativen Lebensweg mit allen Umwegen, Zweifeln, Rückschlägen und Durchbrüchen – eine Reise durch Medien, Theater, Universitäten und mit einer nie ganz greifbaren Berufung.

Immer wieder wurden die gelesenen Passagen dabei von Charles Herrig am Klavier eingerahmt – als stimmige Fortsetzung der Texte mit den Mitteln der Musik, des Gesangs. Zwischen Jazz, Klassik und populären Melodie-Zitaten reichte das Repertoire von „Fly Me to the Moon“ über Dvořák bis zum Thema aus „Der dritte Mann“ als Wien-Verweis. So entstand ein zweiter Erzählstrang, der die Lesung mal leicht, mal nachdenklich-sensibel, mal augenzwinkernd interpretierte.

 

Ein besonders schöner Moment folgte zum Schluss: Gastgeberin Uschi Boffin-Hoffmeister lud Herrig spontan auf der Bühne zu einer weiteren Lesung im Theater Mittelrhein ein – am 27. September 2026. Das Publikum quittierte die Ankündigung mit begeistertem Applaus. Eine Veranstaltung, die zeigte, wie lebendig Literatur sein kann, wenn sie nicht nur gelesen, sondern erlebt und gelebt wird.