Einladung zur Vernissage am 11. April

Lahnstein. Nikolai von Astudin (1847–1925), russischer Kunst- und Landschaftsmaler, gilt als bedeutender Erneuerer der Rheinromantik. Seine Wahlheimat Lahnstein, in der er von 1912 bis zu seinem Tod lebte, widmet ihm anlässlich seines 101. Todestages nun erneut eine umfassende Werkschau.

Ein in Werk zwischen Leinwand und Postkarte

Astudins meist landschaftliche Motive befinden sich heute überwiegend in privaten Sammlungen. Einem breiten Publikum wurde sein Schaffen vor allem durch den Tourismus bekannt: Seine Gemälde des Rheintals von Mainz bis Köln, seine Lahnbilder von Lahnstein bis Limburg sowie Darstellungen der vorderen Eifel und der Nahe wurden ab 1904 vom Kölner Verlag Hoursch & Bechstedt als Postkartenserien und aufklappbare Leporello-Alben sowohl farbig als auch im Kupfertiefdruck veröffentlicht. 1923 erschien das Album „Bilder v om Rhein“ mit zahlreichen Reproduktionen seiner Gemälde, das mehrfach neu aufgelegt wurde. Die Astudin-Postkarten wurden teilweise noch bis in die 1960er Jahre hinein vor allem an Reisende verkauft.

Kindheit und künstlerische Entwicklung

Über die Kindheit des am 9. Juli 1847 bei Moskau geborenen Aristokratensohnes ist viel spekuliert worden. Ob er tatsächlich einen Adelsnamen trug, ist nicht gesichert. So signiert er selbst seine Gemälde mit „N. Astudin“, also ohne das Adelsprädikat „von“. Nach seiner Erziehung in St. Petersburg bereiste er finanziell unabhängig weite Teile Europas. Prägend für seinen Stil war der Unterricht bei dem Pariser Aquarellisten Professor Cassagne (1862-1864), bei dem er die Meisterschaft der Farbmischung erlernte.

Die nächsten Studienjahre verbrachte er in Berlin und Bonn, hatte aber auch in anderen deutschen Städten wie München, Kassel und Halle kurzzeitig seinen Wohnsitz. Eigene Ausstellungen sind für Berlin (1876-1878), Zürich (1885) und Paris (1890) belegt.

In München begegnete er dem Maler Carl Rottmann, dessen Einfluss zunächst spürbar war. Ebenso lernte er den malerischen Realismus Eduard Schleichs sowie die heitere Bildwelt Carl Spitzwegs kennen, ohne deren Stil direkt zu übernehmen. Astudin entwickelte vielmehr eine eigene, unverwechselbare Bildsprache, deren Inspirationen er unter anderem in Finnland, im Alpenraum und in Italien fand. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Kassel führte ihn sein Weg über Gießen und Wetzlar schließlich lahnabwärts nach Nieder- und Oberlahnstein.

Ein Künstlerpaar in Lahnstein

Auf seinen Reisen lernte er die aus Braubach stammende Johanna Meineke (1869-1928) kennen, eine Tiermalerin mit poetischen Ambitionen. 1896 heirateten sie in Alexandrowno bei Thorn. Nach Jahren in Kassel und Bonn bezog das Paar 1912 sein Domizil in Oberlahnstein, wo sie sich 1915 in der Gymnasialstraße ein eigenes Künstlerhaus mit Atelier errichteten.

Ausstellung in Lahnstein ab 11. April

Die Ausstellung mit Astudins Ölgemälden und Aquarellen findet vom 11. April bis 03. Mai 2026 im Nassau-Sporkenburger Hof statt. Präsentiert werden 38 Originalwerke, die sich heute größtenteils in Privatbesitz befinden.

Interessierte sind herzlich zur Vernissage am Samstag, 11. April um 11.00 Uhr eingeladen. Am Eröffnungstag ist die Ausstellung durchgehend bis 20.00 Uhr geöffnet. Regulär geöffnet ist mittwochs von 15.00 bis 18.00 Uhr, sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr sowie jeweils eine Stunde vor Beginn von Theaterveranstaltungen.

Bildunterzeilen:

Bild 1: Pferde in den Rheinauen bei aufziehendem Gewitter, Öl auf Leinen, signiert von Johanna von Astudin, 1911 (Eigentum der Stadt Lahnstein)