Das Team der Schulsozialarbeit des Koblenzer Jugendamtes hat für die Abschlussklassen der Realschulen plus in Koblenz eine besondere Theateraufführung organisiert. Über Hundert Schülerinnen und Schüler der Clemens-Brentano-/Overberg, der Albert Schweitzer und der Goethe Realschule plus verfolgten kürzlich mit Ihren Lehrkräften die Hörspielperformance „Jugend ohne Gott“.

In dem 1937 erschienenen Roman „Jugend ohne Gott“ beschreibt Ödön von Horváth aus der Perspektive eines Lehrers im Dritten Reich die moralische Entgleisung einer Gesellschaft. Der Lehrer, erst nur stiller Beobachter und opportunistischer Mitläufer, gerät immer mehr in einen Gewissenskonflikt. Die moralischen Werte, welche er eigentlich seinen Schülern nahebringen will, sind plötzlich von der öffentlichen Meinung und NS-Propaganda verpönt. Er begreift: Wenn er sich dieser Haltung entgegenstellt, droht ihm neben dem Verlust seiner Arbeit auch die gesellschaftliche Ächtung.
Vorerst bleibt er also stumm und schwimmt mit der Masse mit. Schließlich muss der Lehrer mit seiner Schulklasse in den Osterferien zur vormilitärischen Ausbildung in ein Zeltlager auf dem Land. Hier spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Durch die Reduktion des Romans auf die Perspektive des Lehrers, der die Geschichte erzählt und die Konzentration der Handlung auf das Hören, wurde die Vorstellungskraft der Schülerinnen und Schüler hervorragend aktiviert, um sich in die Geschichte, die Zeit und den persönlichen Konflikt eines Einzelnen mit der Verrohung gesellschaftlicher Werte hinzuversetzen. Gänsehaut und betroffene Stille hielten sich auch noch Minuten nach der Vorstellung.

Die Performance wurde vom Chawwerusch Theaterensemble entwickelt und inszeniert. Da diese Produktion hervorragend für die politische Sensibilisierung zum Thema Extremismus und Radikalisierung geeignet ist, wurden die Kosten der Aufführung vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz und der Leitstelle Kriminalprävention im Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz getragen.

Quelle: Stadt Koblenz