50 Jahre Lahnstein – die Oberbürgermeister nach der Vereinigung

Drei Oberbürgermeister haben die Stadt in den 50 Jahren regiert: Rolf Weiler (Bildmitte, im Amt 1969-1977), Karl-Heinz Groß (links im Bild, 1978-1998) und Peter Labonte (rechts im Bild, seit 1998)

Drei Oberbürgermeister haben die Stadt in den 50 Jahren regiert: Rolf Weiler (Bildmitte, im Amt 1969-1977), Karl-Heinz Groß (links im Bild, 1978-1998) und Peter Labonte (rechts im Bild, seit 1998)

Lahnstein. Vor 50 Jahren wurde der Stadtchef noch vom Stadtrat gewählt. In der Sitzung am 8. Oktober 1969 hatten die 31 zuvor gewählten Stadtratsmitglieder (13 CDU, 11 SPD, 2 FDP, 3 Wählergruppe Schmitt, 2 Wählergruppe Burkhard) zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden. Fritz Berlin, zuletzt Bürgermeister von Oberlahnstein (1963-1969), wurde von der SPD-Fraktion vorgeschlagen. CDU-Fraktion und Wählergemeinschaft Schmitt/Burkard schlugen Regierungsassessor Rolf Weiler vor. Mit 15 zu 14 Stimmen wurde Weiler zum Bürgermeister gewählt – zwei Stimmzettel blieben weiß.

Rolf Weiler, 1937 in Niederheimbach (Rhein-Hunsrück-Kreis) geboren, hatte 1967 die große juristische Staatsprüfung abgelegt und war seither als Regierungsassessor des Landes Rheinland-Pfalz beim Landratsamt in St. Goarshausen tätig. Landrat Bohmeier hatte ihn 1969 zum Beauftragten für Lahnstein für die Verwaltungsreform eingesetzt. Seine wichtigste Amtshandlung war die Leitung und Durchführung der Kommunalwahl, die das oben genannte Ergebnis hervorbrachte.

Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts war Weiler parteilos, 1970 trat er der CDU bei. Mit der Rechtstellung der Stadt Lahnstein als große kreisangehörige Stadt (01.01.1970) durfte er sich Oberbürgermeister nennen. Gleichzeitig wurde der erste seiner drei ehrenamtlichen Beigeordneten zum „Bürgermeister“ ernannt. Weilers zentrale Aufgabe war die Zusammenlegung der beiden Verwaltungen, sodass die neu besetzten Ämter gut funktionierten. Während seiner Amtszeit konnten viele Großprojekte in Angriff genommen bzw. umgesetzt werden, die zum Teil auf Vorarbeiten beider Städte in den 1960er Jahren ruhten. Da die Landesregierung die Vereinigung der beiden Städte mit jährlichen Finanzmitteln von 1,3 Millionen DM auf zehn Jahre förderte, war zusätzliches Geld vorhanden für Straßenausbau, Umgehungsstraße, Stadtsanierung, Bau von Stadthalle und Hallenbad sowie für die Errichtung des Kurzentrums mit Hotel, Thermalbad und Kurklinik.

Weilers Amtszeit sollte zehn Jahre betragen. Er schied jedoch auf eigenen Wunsch zum 01.11.1977 aus seinem Amt, um die Stelle als Direktor der Sport-Toto GmbH und des Staatlichen Zahlenlottos Rheinland-Pfalz in Koblenz antreten zu können. Bürgermeister Josef Seil übernahm bis zur Vereidigung des neuen Oberbürgermeisters für 2 ½ Monate kommissarisch die Amtsgeschäfte.

Als Nachfolger wählte der Stadtrat den 1934 in Ahrweiler geborenen Leitenden Regierungsdirektor bei der Bezirksregierung Koblenz, Karl-Heinz Groß (CDU), der das Amt am 16.01.1978 übernahm. 10 Jahre später, mit zwei Oppositionsstimmen wiedergewählt, startete das CDU-Mitglied in die zweite Amtsperiode, die am 15. Januar 1998 endete. Mit 20 Jahren Amtszeit ist er der längst amtierende Stadtchef Lahnsteins im 20. Jahrhundert gewesen.

Seine Amtszeit war bereits von „leeren Kassen“ geprägt. So musste Groß bereits 1981 eine „besorgniserregend verschlechterte finanzielle Situation der Stadt“ vermelden. Hinzu kam eine schwierige Mehrheitsfindung im Stadtrat: Die Fraktionen von SPD und CDU gaben sich seit der Stadtratswahl 1979 ein Patt, sodass dem CDU-Oberbürgermeister ein besonderes Gewicht zufiel. Dieses nahm noch zu, als die SPD ab 1984 ein bzw. ab 1994 drei Mandate mehr als die CDU hatte. OB Groß, stets um Konsens bemüht, sorgte für Kontinuität in der politischen Mitte.

1997 fand aufgrund des geänderten Kommunalwahlrechts erstmals eine Direktwahl des Oberbürgermeisters statt. Bereits im ersten Wahlgang entschieden sich die Lahnsteiner Bürger/innen mit 59,04 Prozent für den Adenauer Verbandsbürgermeister Peter Labonte (CDU). Der ausgebildete Verwaltungsfachmann wurde 1954 in Eitelborn geboren. Ihm unterlagen Martin Michels (Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat), Alexa Becker (FDP) und Wolfgang Kraus (parteilos). Am 16.01.1998 wurde Labonte feierlich in sein Amt eingeführt. Acht Jahre später (2005) wurde er für acht Jahre wiedergewählt. Mit rund 74 % der Stimmen siegte Oberbürgermeister Peter Labonte über seine Stellvertreterin, Bürgermeisterin Gabriele Laschet-Einig (SPD) und abermals am 22.09.2013 mit 58,9% über Matthias Boller (SPD).

Auch hier wurde trotz leerer Kassen vieles bewegt, wie der Wandel von der „Eisenbahner- und Garnisonsstadt“, der erfolgreich abgeschlossen wurde mit der Umnutzung des Geländes des ehemaligen Verpflegungsamtes für die Feuerwache Nord, dem ersten gemeinsamen städtischen Baubetriebshof, einem Verwaltungsgebäude und Entwicklungsmöglichkeiten für die benachbarte Firma Sustaplast. Das Gelände des bis 1997 bestandenen Güterbahnhofs wird zum „Rheinquartier“ und die Deines-Bruchmüller-Kaserne ist heute Arbeitsstätte für über 2000 zivile Mitarbeiter des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Lahnstein hat sich zu einer liebenswürdigen, lebendigen und vor allen Dingen vielfältigen Stadt entwickelt.

Foto: Berthold Schaus
Quelle: Stadt Lahnstein

veröffentlicht am: 25.02.2019

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