Vor 20 Jahren: Lahnstein auf der Höhe wird „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“

Thermalwasser wurde vom Rhein auf den Berg gepumpt

Lahnstein. Der Ortsteil Lahnstein auf der Höhe liegt 257 Meter hoch. Er wurde von dem letzten Bürgermeister der Stadt Oberlahnstein, Kurdirektor Fritz Berlin, begründet. Baubeginn war im Jahr 1971. Eine Aktiengesellschaft wurde gegründet mit der Stadt als Hauptaktionär. Diese Gesellschaft verkaufte die städtischen Grundstücke und finanzierte hierdurch die Baumaßnahmen. Hotel, Thermalbad, Kurklinik, Tennisanlagen und mehrere 100 Wohnungen wurden in den Jahren 1971 bis 1975 errichtet.

Am 12. Februar 1975 erfolgte die staatliche Anerkennung der Kurthermen Rhein-Lahn als „Heilquellen-Kurbetrieb“. Um Kurgebiet zu werden, musste Lahnstein auf der Höhe ein eigener Ortsteil von Lahnstein sein. Diese amtliche Bezeichnung „Stadt Lahnstein – Ortsteil Lahnstein auf der Höhe“ wurde am 30. März 1977 verliehen. Das für Rheinland-Pfalz im Dez. 1978 verabschiedete Kurortegesetz machte Lahnstein auf der Höhe schließlich zum Kurort.

Am 03. März 1998 erhielt der Ortsteil die Anerkennung als „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“. Hierfür bedarf es neben einem passenden Ortscharakter nach Paragraph 7 des Kurortegesetzes und den „Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ einer Heilquelle, die nach den Vorschriften des Landeswassergesetzes staatlich anerkannt ist, einem gesundheitsfördernden Klima sowie „leistungsfähigen Einrichtungen zur Anwendung des Heilwassers mit angemessener kurärztlicher und pflegerischer Betreuung“.

Die staatliche Anerkennung der Victoriaquelle als Heilquelle erfolgte 1961. Das Heilwasser hilft besonders bei Magen-Darm-Erkrankungen, Gallenwegserkrankungen und Erkrankungen der harnabführenden Wege. 1967 schlossen die Victoria-Brunnen AG und das Rheinische Kohlensäurewerk mit der im gleichen Jahr gegründeten Thermalbad-GmbH einen Wasserlieferungsvertrag. Das 30°C warme Thermalwasser des im Rheintal gelegenen Victoriabrunnens wird in einer 3 km langen Leitung auf den Berg geführt. 1973 wurden die Kurthermen eröffnet und bestanden bis 2006.

Die 1975 eröffnete Kurklinik Rhein-Lahn wurde bereits nach einem Jahr geschlossen und im Juli 1977 mit neuer Zweckbestimmung als Klinik Lahnhöhe wiedereröffnet. Es handelt sich heute um ein überregionales Zentrum für psychosomatische Medizin und ganzheitliche Heilkunde sowie um ein Zentrum für konservative Orthopädie, Schmerztherapie und Osteologie. Beide sind Teil des Medizinischen Zentrums Lahnhöhe am Mittelrhein. Als Fachgebiete werden angeboten: Psychosomatik/ Psychotherapie, Naturheilverfahren/ Homöopathie, Ernährungsmedizin und Anthroposophische Medizin sowie Orthopädie, Physikalische und Rehabilitierende Medizin, Schmerztherapie, Osteologie, Manuelle Medizin und Osteopathie, Anästhesie, Sportmedizin, Neurologie, Psychiatrie, Notfallmedizin und Chirurgie.

1994 wurde das Dr.-Max-Otto-Bruker-Haus, „Zentrum für Gesundheit und ganzheitliche Lebensweise“, eröffnet. Das Informationszentrum bietet unter anderem die Ausbildung zum Gesundheitsberater, Weiterbildungen, Vollwert-Kochkurse, Vorträge zu medizinischen und psychologischen Themen sowie in offene Sprechstunden. Dr. med. Max Otto Bruker (1909-2001) war Leiter der Klinik Lahnhöhe. Nach ihm ist die Straße benannt.

Initiator für den Aufbau des Kurzentrums Rhein-Lahn war der Lahnsteiner Kaufmann Ernst Wagner (1920-1986). Der Kurpark trägt seit 2002 seinen Namen. Im Park erinnert ein Granitfindling mit Bronzetafel an ihn, der 1980 zum Ehrenbürger von Lahnstein ernannt wurde. Das 1973 von Ernst Wagner erbaute Hotel Rhein-Lahn umfasst 15 Stockwerke. Es wurde mit den Thermen durch eine Wandelhalle verbunden. Noch vor seinem Tod musste Wagner das Hotel an die Dorint-Gruppe verkaufen, die es zunächst als Dorint-Hotel, später als Hotel Mercure Lahnstein betrieb. 2008 wurde das Hotel an eine internationale Investorengruppe verkauft, die es unter dem Namen „Wyndham Garden“ weiterbetreibt.

Nach der Stilllegung des Thermalbades 2006 ist der der Titel „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ schließlich im Jahr 2014 weggefallen.

 

Quelle: Stadt Lahnstein

veröffentlicht am: 28.02.2018

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