Neubau der Pfaffendorfer Brücke

(Koblenz, 20.02.18) Die im Jahr 1953 auf Unterbauten aus dem 19. Jahrhundert errichtete Brücke über den Rhein weist deutliche Schäden auf und kann die auf mittlerweile über 40.000 Fahrzeuge am Tag angewachsenen Verkehrslasten nicht mehr dauerhaft genug aufnehmen. Hierzu trägt insbesondere der Schwerverkehr bei, der heute etwa 5 % des Gesamtverkehrs ausmacht.

Eingehende Untersuchungen haben ergeben, dass eine Verstärkung des Bauwerks technisch zwar möglich, wirtschaftlich aber nicht vertretbar und daher der Neubau zu planen ist.

Die neue Brücke wird als Stahlverbundbrücke mit offenen Vouten im Stützbereich ausgeführt. Diese Bauweise, die nicht nur sehr robust und wirtschaftlich ist, fügt sich relativ zurückhaltend in das Stadt- und Landschaftsbild ein und erinnert ein wenig an die historische Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1864. Die Planung berücksichtigt unter anderem die Belange der Rheinschifffahrt, der Denkmalpflege, des Natur- und Umweltschutzes, des Verkehrs, sowie die Einbindung in das Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Die neue Brücke wird mit einer Hauptstützweite von 160 Metern künftig eine deutliche Erleichterung für den Schiffsverkehr darstellen. Das System besteht aus zwei nebeneinanderliegenden begehbaren Hohlkästen aus Stahl, die über Schrägstreben auf den neuen Pfeilern aufgelagert werden. Auf diesen Hohlkästen liegt eine Fahrbahnplatte aus Stahlbeton.

Der neue Überbau wird zunächst nördlich neben der bestehenden Brücke auf Hilfsstützen errichtet. Nach dessen Fertigstellung wird der Verkehr darauf umgeleitet. Die alte Brücke wird dann einschließlich der beiden Flusspfeiler abgerissen. Dann erfolgen der Neubau der Pfeiler und der Umbau der historischen Widerlager auf beiden Rheinseiten. Anschließend wird die neue Brücke quer in die derzeit vorhandene Straßenachse geschoben. Dies geht natürlich nur durch eine mehrtägige Vollsperrung der Bundesstraße.

Parallel dazu werden auch die Vorlandbereiche zwischen Schloss und Weindorf sowie das Bauwerk im Zuge der Brückenstraße erneuert. Die dort vorhandenen Gewölbe und Schanzwerke sind denkmalgeschützt und zu erhalten. Daher werden durch Bohrpfähle in den Gewölbestützen und aufgelegte Stahlbetonplatten quasi neue Brücken in die alten hinein gebaut. Dabei bleiben auch die Königshalle und die vorhandenen Teile einer alten Rheinkaserne sowohl in ihrer Bausubstanz als auch optisch weitgehend unberührt.

Während die Vorlandbrücke am Schloss ebenso wie die Flussbrücke neben dem Bestand neu gebaut wird, kann der Verkehr hier zunächst ohne Beeinträchtigungen weiterlaufen. Die Brückenstraße muss allerdings während der gesamten Bauzeit für den Verkehr gesperrt bleiben.

Der neue Brückenquerschnitt wird etwas breiter, was insbesondere dem Fußgänger- und Fahrradverkehr zugutekommt. Die Zuwegungen werden so umgebaut, dass die Rheinquerung künftig deutlich sicherer als bisher erreicht werden kann.

Während des Neubaus kommt es zu deutlichen Eingriffen in die Umgebung der Brücke. Die Flächen zwischen Brücke und Schloss, aber auch zum Weindorf hin, sowie der Standort des Wasser- und Schifffahrtamtes auf der Pfaffendorfer Seite werden temporär für den Neubau benötigt. Für die Rheinschifffahrt kommt es während der Bauzeit ebenfalls zu Behinderungen.

Damit allen gesetzlichen Standards Genüge getan und ein Ausgleich aller Interessen berücksichtigt wird, soll alsbald ein Planfeststellungsverfahren durch die Planfeststellungsbehörde des Landesbetriebes Mobilität Rheinland-Pfalz eingeleitet werden. Hier werden nicht nur alle wesentlichen Pläne öffentlich ausgelegt, sondern auch die nötigen Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen dargestellt und Einwendungen – sofern diese erhoben werden – erörtert und entschieden.

Sofern das Baurecht zügig erreicht wird, könnte mit dem Neubau im nächsten Jahr begonnen werden. Die voraussichtliche Bauzeit wird etwa drei Jahre betragen.

Quelle: Stadt Koblenz

veröffentlicht am: 20.02.2018